Hildegard von Bingen Medizin 2008

Medizin aus der Natur

Durch Einschränkungen im heutigen Gesundheitssystem und wegen vieler immer wieder auftauchender Nebenwirkungen und Folgeschäden von chemisch-synthetischer Arzneimittel greifen immer mehr Menschen auf die der Hildegard von Bingen empfohlenen Pflanzen und Kräuter zurück. Alternativmedizin auf Grund von Erfahrungen, die durch viele Generationen erworben, vermehrt und weitergegeben wurden, mit dem Wissen dass bestimmte Pflanzen viele Krankheiten lindern und die Heilung unterstützen können.

Hildegard Medizin die neben anderen alternativmedizinischen Behandlungsmethoden wie Ayurveda, Yoga oder Akupunktur auch in der Neuzeit ihre Anhänger hat und in den letzten Jahren immer beliebter wird.

Hildegard von Bingen - Heilmittel

Hildegard von Bingen beschreibt in ihrem neunbändigen Werk „Physika“ über 2000 Heilmittel aus der Natur und stellt ihre Anwendung und Wirkung auf den Menschen dar. Laut Hildegard sind solche heilenden Kräfte aber nicht nur in pflanzlichen Heilmitteln zu finden, sondern auch in Edelsteinen, Mineralien und Tieren. Edelsteine waren für sie von Gott gegebene Heilmittel, die eine himmlische Energie beinhalten und diese Energie dann auf den Menschen abgeben. Hildegard empfahl, die jeweils richtigen Steine als Schmuck zu tragen, aber auch das Tragen in der Tasche oder das Halten in der Hand könne helfen. Außerdem ist es möglich, die schmerzende Stelle am Körper etwas zu befeuchten und mit dem Stein daran zu reiben. Und schließlich gibt es noch die Möglichkeit, Heilsteine für einige Tage in Wasser zu legen und dieses Heilwasser danach zu trinken. Als heilende Edelsteine nennt sie unter anderem den Rubin bei Kopfschmerzen oder den Bernstein bei Problemen mit Magen und Darm.

Auch die Heilpflanzen spielen bei Hildegard von Bingen eine große Rolle. Der Mensch kann sich die Vielfalt der Heilkräuter und Gewürze die in der Natur vorhanden sind zum Schutz vor Krankheiten oder zur Regeneration nach Erkrankungen zu Nutzen machen. So haben die Gewürze und Kräuter in der Hildegard-Küche eine heilende oder vorbeugende Wirkung. Hildegard verwendete die damals bekannten meist mediterranen Heilpflanzen, aber das besondere an der Heilpflanzenkunde der Hildegard ist, dass sie auch die einheimischen Heilkräuter der Volksheilkunde einsetzte. Kräuter und Gewürze irgendwo aus der Natur, die nicht nur Lebensmittel sind, sondern auch viele Krankheiten lindern oder die Genesung unterstützen: Quendel, Meisterwurz, Bertram, Alant, Eisenkraut (Verbena), Liebstöckel,....

Also wieso nicht mal ein Kräutergärtchen nach Hildegard von Bingen anlegen?

Hildegard von Bingen - Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung d.h. eine optimale Versorgung des Körpers mit allen notwendigen Stoffen nannte Hildegard von Bingen den Grundstein zur Erhaltung der Gesundheit. Sehr wichtig seien Kräuter und Gewürze, außerdem Getreide, Obst und Gemüse. Sie nennt z.B. Dinkel sowie Sellerie, Edelkastanie und Fenchel. Dinkel sei laut Hildegard das "beste Korn": "es macht seinem Esser rechtes Fleisch und rechtes Blut, frohen Sinn und freudig menschliches Denken." Was die Äbtissin, Heilkundige und Naturforscherin vor langer Zeit längst wusste, ist heute wissenschaftlich nachgewiesen. Das Getreide Dinkel übertrifft mit seinem Gehalt an Vitaminen, Aminosäuren und Spurenelementen jede andere Getreidesorte und wirkt basisch. Sein hoher Gehalt an Kieselsäure wirkt sich positiv auf Denkvermögen und Konzentration sowie auf die Gesundheit von Haut und Haaren aus.

Nach der Heiligen Hildegard von Bingen besitzen gute Nahrungsmittel Heilkräfte während schlechte Nahrungsmittel schlechte Säfte und Schleime im Menschen erzeugen. Als Küchengifte gelten bei Hildegard z.B. auch Erdbeeren, Pflaumen, Porree, Linsen und Schweinefleisch. Kritisch betrachten müssen wir allerdings folgendes: Hildegard wusste nichts von Vitaminen und Mineralstoffen, Ballaststoffen und Kalorien. Man kannte gerade mal Magen, Herz, Lunge, Leber und Milz, doch die Funktion des Stoffwechsels war gänzlich unbekannt, weshalb ihre "Küchengifte" mit Distanz zu betrachten sind, auch wenn die ein oder andere Verbots-Erklärung auch heute noch Gültigkeit hat.

Auch waren zur Zeit Hildegards keine exotischen Früchte, keine Tomaten, Gurken oder Kartoffen bekannt über deren Wirkung auf den Körper Hildegard von Bingen etwas aufschreiben konnte. Einige Punkte oder deren gesundheitliche Wirkung sind heutzutage überholt aber für die damalige Zeit trotzdem nachzuvollziehen. So finden wir heute in fast jeder Frauenzeitschrift neue Rezeptideen für leckere Rohkostsalate, die als gesunde und körperbewusste Ernährung gelten während zu Hildegards Zeit wegen der Keimbelastung und der schlechten Trinkwasserqualitäten das Gemüse und das Obst gewaschen, geschält und sicherheitshalber noch gegart wurde. Hildegard Ernährung für das Wohlbefinden und zur Prävention vor Krankheiten heißt einen einfachen, nicht überfrachteten, bewussten Lebensstil. Eine ausgewogene Ernährung und ein gesundes Maß bei Essen und Trinken um die Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen. Es gibt keine spezielle Hildegard von Bingen-Diät oder ein Kochbuch das sie selbst geschrieben hat, aber ihre Erkenntnisse in der Naturheilkunde sind sicher eine Anregungen für Gesundheitsinteressierte die gesunde Ernährung zu einer Lebenseinstellung machen.

Hildegard von Bingen - Ausleitungsverfahren

…schlechte Gedanken und Gefühle regen den Körper dazu an, schlechte Säfte zu produzieren…. Aderlass, Schröpfen, Moxibustion und besonders das Fasten waren für Hildegard von Bingen bekannte Methoden zur Reinigung des Organismus von krankmachenden Einflüssen und sollten die Krankheit – die schlechten Säfte - aus dem Körper hinaus führen, sowie Körper, Seele und Geist ins Gleichgewicht bringen.

Das Hildegard-Fasten ist eine einfache Methode, um den Körper von seinen Gift- und Schlackenstoffen zu reinigen und die Seele von ihren Belastungen zu befreien. Begleitend dazu gibt es äußere Anwendungen wie Massagen, Wickel, Bäder, Einläufe, Wärmeanwendungen, therapeutisches Schwitzen, Bewegung und Meditation.

Hildegard von Bingen empfiehlt das Fasten als psychotherapeutisches Mittel für 29 von 35 seelischen Krankheiten. Es bietet die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, den Körper zu entschlacken, zu entgiften, aber vor allem auch die Seele von Ballast zu befreien, mit sich selbst ins Reine zu kommen und sich somit wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Beim Fasten ging es Hildegard von Bingen also nicht ausschließlich um das Entgiften des Körpers sondern sie hielt das Fasten für besonders wertvoll, weil es dem Menschen den Kontakt zu seiner Seele erleichtert. Durch das Fasten richtet sich die Konzentration automatisch nach innen und erleichtert dem Menschen die innere Einkehr und Besinnung und bietet ihm somit auch eine Chance zur Wandlung und Neuorientierung. Hildegard von Bingen empfiehlt: „Wer nicht ganz gesund und noch nicht krank ist, dem bringt es die Gesundheit. Auch die Gesunden sollen diese Kur machen, weil es ihnen die Gesundheit erhält, damit sie nicht krank werden.“

Schwermütige, depressive Menschen sollen aber gar nicht fasten, sondern gut zu sich sein und sich etwas Schönes gönnen, z.B. die gute Hildegard-Küche. Auch Gesunde und Kranke mit Nervenleiden, Patienten mit akuten Infektionskrankheiten, abgemagerte Krebspatienten, Tbc-Kranke und Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand sollten keine Fastentherapie unternehmen. Ebenso Personen mit folgenden gesundheitlichen Problemen oder Krankheiten:

  • Essstörungen (Bulimie, Magersucht, Fress-Sucht)
  • Gastritis, Magengeschwüre oder sonstigen Probleme mit dem Magen
  • Altersschwäche
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • regelmäßige Medikamenteneinnahme
Außerdem kommt das Heilfasten bei Schwangeren oder stillenden Müttern nicht in Frage, aber grundsätzlich gilt, einfach den Hausarzt zu fragen, ob man für das Fasten geeignet ist, oder nicht.

Der Aderlass ist eine der ältesten medizinischen Behandlungsformen und bei Hildegard von Bingen beschrieben. In Griechenland war er seit der Zeit des Hippokrates bekannt und bis ins 17. Jahrhundert galt er als eine der wichtigsten medizinischen Therapieformen. Schon die alte indische Medizin kannte ihn. Bis zu siebenhundert Gefäße wurden beschrieben, von welchen der Körper wie ein Garten durch Wasserleitungen oder wie ein Feld durch Kanäle bewässert wird. Schon sehr früh kam es damit zu einem ersten humoralpathologischen Ansatz, der besagte, dass der Organismus aus verschiedenen Säften besteht und Krankheit eine Fehlverteilung dieser Säfte (“Blut“, “Schleim“, “Galle“, “Luft“) im Körper darstellt. Das Ziel des Aderlasses ist es nicht, dem Patienten möglichst viel Blut “abzulassen“, sondern, durch eine an bestimmten Körperstellen durchgeführte “Blutabnahme“ eine Entlastung und Reinigung des Blutes und eine ausgeglichene Neuverteilung der Säfte zu bewirken. Dieser gewollte Blutverlust verbessert die Fließeigenschaften und die Sauerstoffaufnahme des Blutes, ist aber nicht zu Vergleichen mit einer Blutabnahme zur Blutspende. Hin und wieder wird fälschlicherweise die Blutspende umgangssprachliche als Aderlass tituliert, wobei beim Aderlass die medizinische Heilwirkung im Vordergrund steht und die Vorgehensweise d. h. das “Ablassen“ des Blutes in ein offenes Gefäß ganz anders ist. Der Aderlass ist ein anerkanntes, schulmedizinisches Verfahren, der heute aber nur noch relativ selten von einem Arzt oder Heilpraktiker für bestimmte Leiden oder als Präventivmedizin angewandt.

Beim Schröpfen wird in so genannte Schröpfgläsern oder Schröpfköpfen ein Unterdruck erzeugt. Diese Schröpfgläser werden direkt auf die Haut gesetzt, mit der Idee, durch den Unterdruck eine Ab- bzw. Ausleitung von Schadstoffen über die Haut zu erreichen. Der Unterdruck wird üblicherweise dadurch erreicht, dass die Luft im Schröpfkopf erhitzt und sofort auf die Rückenhaut des Patienten gesetzt wird. Das Erhitzen erfolgt durch einen in Äther getauchten Wattebausch, der angezündet wird. Eine andere Methode verwendet zum Erhitzen eine offene Flamme, die kurz in die Glasöffnung gehalten wird. Alternativ kann der Unterdruck durch eine Absaugvorrichtung im Schröpfglas erzeugt werden. Man unterscheidet das blutige Schröpfen und das trockene Schröpfen. Beim blutigen Schröpfen wird – ehe das Glas mit Unterdruck aufgesetzt wird – die Haut angeritzt, damit der Unterdruck im Schröpfglas das Blut verstärkt durch die Verletzungen herauszieht. Es gibt auch das heutzutage weit verbreitete trockene Schröpfen, bei dem das Schröpfglas, mit einer Gummi-Saugvorrichtung versehen, meist auf dem Rücken angewandt wird. Trockenes Schröpfen besitzt eine ganze Reihe wohltuender Wirkungen und kann vielfältig angewandt werden. Eine angenehme Sonderform ist die Schröpfmassage, bei der mit Hilfe von Schröpfköpfen und Öl massiert wird und so die Durchblutung des Gewebes gefördert wird. Auch zur Beseitigung eines Lymphstaus im Rahmen einer Lymphdrainage kommt Schröpfen zum Einsatz. Aber auch dieses Naturheilverfahren sollte bei bestimmten Krankheitsbildern nicht angewendet werden z. B. bei Niereninsuffizienz und örtlichen Hauterkrankungen (Ekzeme) der Schröpfstellen. Außer der Schröpfmassage wird das Schröpfen auch nicht im Wirbelsäulenbereich durchgeführt.