…schlechte Gedanken und Gefühle regen den Körper dazu an, schlechte Säfte zu produzieren…. Aderlass, Schröpfen, Moxibustion und besonders das Fasten waren für Hildegard von Bingen bekannte Methoden zur Reinigung des Organismus von krankmachenden Einflüssen und sollten die Krankheit – die schlechten Säfte - aus dem Körper hinaus führen, sowie Körper, Seele und Geist ins Gleichgewicht bringen.
Das Hildegard-Fasten ist eine einfache Methode, um den Körper von seinen Gift- und Schlackenstoffen zu reinigen und die Seele von ihren Belastungen zu befreien. Begleitend dazu gibt es äußere Anwendungen wie Massagen, Wickel, Bäder, Einläufe, Wärmeanwendungen, therapeutisches Schwitzen, Bewegung und Meditation.
Hildegard von Bingen empfiehlt das Fasten als psychotherapeutisches Mittel für 29 von 35 seelischen Krankheiten. Es bietet die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, den Körper zu entschlacken, zu entgiften, aber vor allem auch die Seele von Ballast zu befreien, mit sich selbst ins Reine zu kommen und sich somit wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Beim Fasten ging es Hildegard von Bingen also nicht ausschließlich um das Entgiften des Körpers sondern sie hielt das Fasten für besonders wertvoll, weil es dem Menschen den Kontakt zu seiner Seele erleichtert. Durch das Fasten richtet sich die Konzentration automatisch nach innen und erleichtert dem Menschen die innere Einkehr und Besinnung und bietet ihm somit auch eine Chance zur Wandlung und Neuorientierung. Hildegard von Bingen empfiehlt: „Wer nicht ganz gesund und noch nicht krank ist, dem bringt es die Gesundheit. Auch die Gesunden sollen diese Kur machen, weil es ihnen die Gesundheit erhält, damit sie nicht krank werden.“
Schwermütige, depressive Menschen sollen aber gar nicht fasten, sondern gut zu sich sein und sich etwas Schönes gönnen, z.B. die gute Hildegard-Küche. Auch Gesunde und Kranke mit Nervenleiden, Patienten mit akuten Infektionskrankheiten, abgemagerte Krebspatienten, Tbc-Kranke und Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand sollten keine Fastentherapie unternehmen. Ebenso Personen mit folgenden gesundheitlichen Problemen oder Krankheiten:
- Essstörungen (Bulimie, Magersucht, Fress-Sucht)
- Gastritis, Magengeschwüre oder sonstigen Probleme mit dem Magen
- Altersschwäche
- Überfunktion der Schilddrüse
- regelmäßige Medikamenteneinnahme
Außerdem kommt das Heilfasten bei Schwangeren oder stillenden Müttern nicht in Frage, aber grundsätzlich gilt, einfach den Hausarzt zu fragen, ob man für das Fasten geeignet ist, oder nicht.
Der Aderlass ist eine der ältesten medizinischen Behandlungsformen und bei Hildegard von Bingen beschrieben. In Griechenland war er seit der Zeit des Hippokrates bekannt und bis ins 17. Jahrhundert galt er als eine der wichtigsten medizinischen Therapieformen. Schon die alte indische Medizin kannte ihn. Bis zu siebenhundert Gefäße wurden beschrieben, von welchen der Körper wie ein Garten durch Wasserleitungen oder wie ein Feld durch Kanäle bewässert wird.
Schon sehr früh kam es damit zu einem ersten humoralpathologischen Ansatz, der besagte, dass der Organismus aus verschiedenen Säften besteht und Krankheit eine Fehlverteilung dieser Säfte (“Blut“, “Schleim“, “Galle“, “Luft“) im Körper darstellt. Das Ziel des Aderlasses ist es nicht, dem Patienten möglichst viel Blut “abzulassen“, sondern, durch eine an bestimmten Körperstellen durchgeführte “Blutabnahme“ eine Entlastung und Reinigung des Blutes und eine ausgeglichene Neuverteilung der Säfte zu bewirken. Dieser gewollte Blutverlust verbessert die Fließeigenschaften und die Sauerstoffaufnahme des Blutes, ist aber nicht zu Vergleichen mit einer Blutabnahme zur Blutspende. Hin und wieder wird fälschlicherweise die Blutspende umgangssprachliche als Aderlass tituliert, wobei beim Aderlass die medizinische Heilwirkung im Vordergrund steht und die Vorgehensweise d. h. das “Ablassen“ des Blutes in ein offenes Gefäß ganz anders ist. Der Aderlass ist ein anerkanntes, schulmedizinisches Verfahren, der heute aber nur noch relativ selten von einem Arzt oder Heilpraktiker für bestimmte Leiden oder als Präventivmedizin angewandt.
Beim Schröpfen wird in so genannte Schröpfgläsern oder Schröpfköpfen ein Unterdruck erzeugt. Diese Schröpfgläser werden direkt auf die Haut gesetzt, mit der Idee, durch den Unterdruck eine Ab- bzw. Ausleitung von Schadstoffen über die Haut zu erreichen. Der Unterdruck wird üblicherweise dadurch erreicht, dass die Luft im Schröpfkopf erhitzt und sofort auf die Rückenhaut des Patienten gesetzt wird. Das Erhitzen erfolgt durch einen in Äther getauchten Wattebausch, der angezündet wird. Eine andere Methode verwendet zum Erhitzen eine offene Flamme, die kurz in die Glasöffnung gehalten wird. Alternativ kann der Unterdruck durch eine Absaugvorrichtung im Schröpfglas erzeugt werden. Man unterscheidet das blutige Schröpfen und das trockene Schröpfen. Beim blutigen Schröpfen wird – ehe das Glas mit Unterdruck aufgesetzt wird – die Haut angeritzt, damit der Unterdruck im Schröpfglas das Blut verstärkt durch die Verletzungen herauszieht. Es gibt auch das heutzutage weit verbreitete trockene Schröpfen, bei dem das Schröpfglas, mit einer Gummi-Saugvorrichtung versehen, meist auf dem Rücken angewandt wird. Trockenes Schröpfen besitzt eine ganze Reihe wohltuender Wirkungen und kann vielfältig angewandt werden. Eine angenehme Sonderform ist die Schröpfmassage, bei der mit Hilfe von Schröpfköpfen und Öl massiert wird und so die Durchblutung des Gewebes gefördert wird. Auch zur Beseitigung eines Lymphstaus im Rahmen einer Lymphdrainage kommt Schröpfen zum Einsatz. Aber auch dieses Naturheilverfahren sollte bei bestimmten Krankheitsbildern nicht angewendet werden z. B. bei Niereninsuffizienz und örtlichen Hauterkrankungen (Ekzeme) der Schröpfstellen. Außer der Schröpfmassage wird das Schröpfen auch nicht im Wirbelsäulenbereich durchgeführt.